Liebe Leute im warmen Süden,
hier nun unser erster Bericht von der Unternehmung „Skandinavien Rund“, leider war unser SAT-Telefon nicht zu aktivieren, deshalb erst jetzt.

Eins war in Kirkenes wichtig: wir haben bei der Politi rechtzeitig ausklariert. Die Polizei macht Freitags nämlich um 14.00 Wochenende. Formblätter gab‘s nicht, da nur 1-2 Boote pro Jahr von Kirkenes Richtung Russland gehen. Also wurde auf die Crewliste gestempelt und handschriftlich bestätigt, dass wir ausklariert sind.

Freitagabend vor dem Start: herrliches Sonnenwetter, dann Mitternachtssonne, die wir durch eine Lücke zwischen zwei Bergen bewundern konnten. Die Yacht „Carpe Diem“ aus Richtung Archangelsk war in Kirkenes eingelaufen, Victor und Guido gaben uns gute Tipps, russische Karten und ein russisches River-Funkgerät. In Archangelsk bekommen wir später noch die Karten einer dänischen Yacht.
Aus dem Varangerfjord sind wir bei Schwachwind erst motort, dann gekreuzt. Wir haben Wale und einige Fischer gesehen, aber keine Frachter oder Yachten. Sturmvögel und einige Küstenseeschwalben waren unsere Begleitung. Die Kola-Halbinsel haben wir dank günstiger Winde schneller umrundet als erwartet. Aber es war grau, grau, grau, nie dunkel. Am Sonntag kam frischer Wind aus NE, wir konnten dann aber schon Kurs Richtung Weißmeer halten.
Frank hat sein Russisch aufpoliert und meldet sich bei der russischen Coastguard, wir bekommen aber keine Antwort. Wir bleiben außerhalb der 12 nm Zone und haben deshalb kein Problem mit Sperr- und Schießgebieten. Die Wassertemperatur liegt bei 4,5 oC, Luft 8 oC. Es wird diesig. Montag dann NE-Wind 5 Bft mit ruppiger See. Die Sicht wird schlechter. Der Wind raumt, wir machen gute Fahrt mit Großsegel und Genua. Reffen bei Böen bis 29 kn. Wir melden uns erneut bei der russischen Coastguard, aber die Antwort bleibt wieder aus. Da unser SAT nicht funktioniert, können wir auch keine email schicken oder telefonieren.
Dienstagmorgen segeln wir im Weißmeer, eingeschlossen in dichten Seenebel, um 04.30 reißt der Nebel plötzlich auf, es folgt strahlender Sonnenschein. Strom erst 1 kn gegenan, vormittags 1,5 kn Strom mit. Die Coastguard ruft uns an („Weapon von Bremen, Weapon von Bremen“), Frank antwortet auf Russisch, sie verstehen aber auch englisch. Um 7.20 Uhr sind wir von Nord nach Süd durch den Polarkreis gesegelt.
Am Mittwoch erreichen wir Archangelsk und fahren in einen Flußarm der Drina, in dem jede Menge Holzstämme geflößt werden. Das Einklarieren ist eine Geschichte für sich. Aber letztlich hat es geklappt und wir treffen unseren Kontaktmann Alexander, der uns zu unserem Liegeplatz ganz nah am Stadtzentrum lotst. Nach dem kalten Polarmeer Sonne, aber auch Hagel und Gewitterschauer.
In Archangelsk proviantieren wir neu und begleiten mit dem Wappen den Start der Solovetsky Regatta (25 Boote, 500 nm Regatta in 6 Etappen). Das beschert uns sogar einen Auftritt im russischen Fernsehen.
Freitagnachmittag machen wir endgültig die Leinen los, nachdem wir ein letztes Schaschlik genossen und Frischwasser gebunkert haben. Strahlender Sonnenschein, unser nächstes Ziel: die Solovetsky-Inseln im Weißen Meer, einst Archipel Gulag, heute wieder ein Kloster.

Grüße aus dem Weißmeer,
Carol und Crew
Percy, Carel, Mechthild
Frank, Christian, Sabine
Egbert, Henrik, Helmut


Hier nur ein Kurzinfo: Nach schneller Reise aus Kirkenes sind Schiff und
Crew gut in Archangelsk angekommen und auch einklariert
Details folgen,
Carol und Crew
"Fehlt es an Wind, so greife zum Ruder"

Gestern abend und heute nacht hatten wir eine wunderbare Fahrt durch den Vestfjord. Die Silhouette der zackigen Berge im Osten und Westen begleitete uns; an ihrem Fuße stand der Seenebel, der sich zudem aus den Sunden fließend in den Fjord ergoß.

Am frühen Morgen machten wir in der Marina fest. Da wir aber zu groß sind, müssen wir nachher wieder los. Bis dahin werden wir Svolvaer einen Besuch abgestattet haben.
Neues Ziel ist dan Skrova.

Schiff und Crew sind wohlauf.



"Wenn Dich der Wind gegen die Küste treibt, nutze den Wind, um Dich zu retten"

Seit unserer Abfahrt aus Trondheim sind wir von Sonne und Wind verwöhnt.
Nach einigen Manöverübungen am Sonntag mittag im Trondheim-Fjord fahren wir bei 4-5 BFt gen Norden. Heute nacht dann bei taghellem Himmel Einfahrt in die Schärenwelt von Traena. Eine wunderbare Stille empfing uns. Die zackigen Inseln, dominiert von den Sieben Schwestern und dem Hestmannskollen, von Traena selbst und der Insel Lovund, eine der größten Papageitaucherkolonien der Welt (heute schliefen wohl noch alle) sind abweisend und einladend zugleich. Im Hintergrund der Svartisen-Gletscher, der zweitgrößte europäische Festlandsgletscher, an der Küste von einem Hauch Seenebel geschmückt.
Jetzt fahren wir zwischen Myken und Traena in den Vestfjorden. Der Wind hat abgenommen, aber die Sonne scheint weiter.

Schiff und Crew sind wohlauf und grüßen nach Hause